eine woche meiner reise durch das große, ferne land Oz ist ja bereits um, daher wird es zeit, mal etwas darüber für die internet-nachwelt festzuhalten.
perth…perth…perth…ist eben perth. mir wurde vieles darüber gesagt, bevor ich überhaupt dort war. dass es eher langweilig ist und es nicht sonderlich viel zu tun gibt, oder dass es die stadt der heilenden winde ist (?) und sich dort hauptsächlich alte leute niederlassen. mein persönlicher eindruck von perth ist, dass dort keine eile herrscht. alles mit der ruhe, schön heiß ist es auch, das passt dann alles zusammen. von der stadt an sich war ich doch ein wenig enttäuscht, denn das zentrum besteht so gut wie nur aus shopping malls. und ich hab den verdacht, dass mein pass die alarmalagen in den geschäften anschlagen lässt. daher muss ich jedesmal wieder ins geschäft rennen, um meine tasche herzuzeigen. gott sei dank bin ich ein ehrlicher mensch und klaue nicht. zum glück liegt perth als hauptstadt west australias im zentrum eines gut ausgebauten s-bahn netzes, daher bin ich gleich montags den 20 minütigen weg in das weit aus mehr charaktervolle hafenstädtchen fremantle gefahren. da gibts einen netten kleinen strand und einige ältere häuschen und das ganze hat einfach gleich mehr atmosphäre. nur eins darf man wirklich nie vergessen: sonnencreme, und zwar an allen stellen nicht von kleidung bedeckt sind, denn einen sonnenbrand fängt man sich hier ganz ganz schnell ein.
mittwoch mittags bin ich dann an bord des indian pacific gegangen, der zug, der perth mit sydney über adelaide verbindet. anfangs hab ich mich ja noch gefragt, ob das nicht eine komplette schnappsidee ist, 45 stunden in einem zug zu verbringen, obwohl mir der flug wahrscheinlich sogar günstiger gekommen wäre. aber im nachhinein muss ich sagen, dass es die sache auf alle fälle wert war, denn obwohl die landschaft eigentlich immer die gleiche bleibt, hab ich total geniale leute bei diesem trip kennengelernt. angefangen hat alles schon beim einsteigen, als ich mir die leute so angeschaut hab, die noch am bahnsteig rumstanden und mir dachte: scheiße, da sind so viele leute neben denen ich ECHT NICHT sitzen will. und da ich ja beim flug schon sonderlich wenig glück hatte (eingeklemmt zwischen einem fetten taiwanesen und einem fetten inder…), hab ich mir auch diesmal nicht wirklich die besten chancen ausgerechnet, was sitznachbarn angeht. aber nein! ich bin neben einem ganz netten halb schweizer/halb australier namens giacomo gesessen, der in lugano lebt, ab september in zürich studieren wird und sich nach dem heer nochmal eine 6 monate reise gönnt. beginnend in australien, anschließend peking und dann mit der transibirischen eisenbahn in die mongolei und bis nach moskau, von dort weiter nach st. petersburg…klingt wie eine echt tolle und aufregende reise. wir haben uns also gleich gut verstanden und gar nicht allzu lange zeit später haben sind wir durch zufall mit solène, einer französin, die ein jahr in sydney studiert, ins gespräch gekommen. da warens auch schon drei. die wende kam dann überhaupt bei dem ersten zwischenstopp des zugs in, hrm hrm, “kalgoorlie”, einer minenstadt mitten im nichts. da haben sich dann nämlich noch die drei norweger arne, merethe und ole zu uns gesellt. ich hätte mir wirklich nicht denken lassen, dass ich so ein bündel total cooler leute in einem zug durchs australische outback kennenlerne. und 45 stunden aneinanderpicken (eine flasche brandy und ein geniales hong-kong monopoly spiel, bei dem arne und ich die anderen um längen geschlagen haben) schweißen einen schon zusammen. so wars fast ein bisschen traurig, als giacomo, arne und ich in adelaide aussteigen mussten und die anderen bis nach sydney gebucht hatten. aber da ich sowieso noch nach sydney komme, habe ich solène schon versprochen, dass wir was trinken gehen.
adelaide, die hauptstadt south australias, hat schon was. also, zu mindest hat sie mir sehr gut gefallen, denn obwohl sie klein ist, hat sie mehr flair als das etwas sterile perth. nach einem abschiedsfrühstück in der markthalle von perth mit den norwegern, solène und giacomo hab ich mich aufgemacht in mein hostel, in das ich natürlich noch nicht einchecken konnte, da es ja erst 9 uhr morgens war. ich kann meine sachen dort lassen, soll doch dann aber um eins wiederkommen. hm, ok, allerdings war ich saumüde, denn im zug wars nicht nur arschkalt die ganze zeit, sondern schlafen war praktisch unmöglich. also mehr als 8 stunden hatte ich in den letzten zwei tagen sicher nicht geratzt. brav wie ich bin, hab ich mich aber doch zu einer stadterkundung und einem kleinen einkaufsbummel entschlossen. adelaide hat eine schöne universität, schaut richtig alt und gediegen aus, und es gibt auch jede menge cafés und restaurants in denen das essen gar nicht teuer ist. ich war ganz gut dabei, die zeit totzuschlagen (und emails zu beantworten) als mich der schlafentzug der letzten tage ganz plötzlich einholte: bumm, mir war schlecht, schwindlig und ich hatte halsschmerzen. die folge war, dass ich bis um 7 uhr abends geschlafen habe, mir ein schnelles abendessen in einem formidablen thai-restaurant gegönnt habe, und dann nochmal zehn gute stunden schlaf draufgelegt hab.
am nächsten tag sah die welt dann schon viel rosiger aus, nach einem kaffee und einem kipferl mit schinken und käse und der aussicht auf einen netten nachmittag mit arne und giacomo. der nachmittag war auch wirklich sehr entspannt und nett. das europäische trio hat gemeinsam mittaggegessen, ist spazieren gegangen, im park gesessen, kaffee getrunken (zwischendurch von einem schlechten aber witzigen rapper entertaint), und hat den tag im gras am flussufer ausklingen lassen. giacomo und arne hatten beide noch etwas mehr zeit in adelaide als ich, weil sie nicht gestern abend noch den bus nach melbourne erwischen mussten, und haben sich noch einen subway sandwich gegönnt, während ich mich auf den weg zur busstation gemacht hab. giacomo und arne werden aber voraussichtlich beide ende der woche ebenfalls in melbourne eintreffen und da werden wir einander dann wieder sehen.
und jetzt bin ich schon in melbourne, und hab schon eine einladung in karls elternhaus erhalten, was mich ganz aus dem häuschen bringt, weil seine mama züchtet katzen und hat gerade babykätzchen
diese zugfahrt greift also auch deutlich in meine nächsten urlaubspläne ein: ich will nach skandinavien, jetzt erst recht, ein besuch in zürich steht eh schon seit längerem an und paris wär sowieso notwändig für mein schlechtes französisch. aber hab ich denn genug ferien für all die reisen, die ich gern machen würde? und außerdem schreit das nach jobsuche…also gut, nachdem mich vero und sophie in taiwan besucht haben, werd ich mir einen job als englischlehrerin suchen. ist ja gutes geld…aber jetzt erst mal: melbourne, ich komme!