ja, ich weiß, und es tut mir leid. was? na dass ich für einige wochen fast komplett von der bildfläche verschwunden war. die nachrichten in meinem posteingang, welche über meine abwesenheit klagen, mehren sich fast täglich. ganz nach dem prinzip: man merkt erst, wie sehr man an etwas gewöhnt ist, wenn man es nicht mehr hat. also komme ich den bitten nun doch endlich nach, möchte an diesem punkt jedoch auch selber eine äußern: ich weiß, ihr lest meine blog und ich gehe davon aus, dass ihr es euch dadurch so vorkommt, als ob ihr in kontakt mit mir wärt. und dazu ist der blog ja auch da, nur das problem ist, dass dieses kontaktgefühl nur in eine richtung wirklich wirkt. denn ich weiß ja nicht, wer da jetzt gerade vor dem computer sitzt und statt zu lernen oder zu putzen (oder beides) meine einträge liest. was ich damit sagen will, ist folgendes: ich würde mich ab und an sehr über ein kleines lebenszeichen freuen. keine lange mail, wirklich nicht, nur ein einfaches “hallo, ich hab gerade deinen blog gelesen und …”. bei “…” kann man beliebig einfügen, was einem gerade einfällt. hier ein paar anregungen:
variante a) …und find das echt urblöd, was du da schreibst. (hierbei wäre eine begründung doch sehr erwünscht, also nichts für leute mit wenig zeit.)
variante b) …und bin total überwältigt von deinem talent. hast du schonmal daran gedacht, ein buch zu schreiben? (vielleicht geeignet für leute, die sich entweder lange nicht mehr gemeldet haben oder ein besonders tolles mitbringsel aus taiwan wollen.)
variante c) …und denke, du solltest die welt nicht länger mit deinen sermonen belasten. keiner kann labertaschen leiden. (wobei meine reaktion darauf wohl folgende wäre: danke, da stimme ich dir zu. also halt die klappe und hör auf, meinen blog zu lesen.)
und noch viel mehr. ihr seht also, es ist gar nicht schwer, dauert vielleicht zwei minuten und verschafft mir einen tag hellter freude, an dem ich die vöglein trotz des strömenden regens singen höre und mich es dann mitten am campus überkommt und ich ein freudenlied anstimme. vielleicht nicht ganz zur freude aller anderen studenten, aber damit müssen sie eben leben.
so, und jetzt widme ich mich wieder dem wirklichen sinn dieses blogs: weitere geschichten aus meinem leben hier in taiwan. aber in den letzten wochen haben sich so viele angesammelt, daher wähle ich wieder eine aus. aber welche? ach, die ist gut, eine weitere busgeschichte:
ich steige also eines nachmittags, voll bepackt mit sackerln und anderem zeug aus dem supermarkt in den sowieso schon überfüllten bus ein. und ganz so, wie ich es von den taiwanesen gelernt habe, dränge ich mich erstmal durch den gesamten bus, bis in die hinteren reihen und ramme dabei so viele leute wie möglich. anfangs fand ich dieses spiel noch erschreckend barbarisch, aber nach einiger zeit adoptiert man einfach bestimmte verhaltensweise, die zwar nicht zwingend zum überleben, aber sicherlich zu einem besseren leben beitragen. mehr dazu aber ein andermal. ich komme also irgendwo zwischen lauter sitzenden menschen zum stehen, stelle meine sackerln ab und schaue aus dem fenster. was soll ich auch sonst machen. dass direkt vor mir ein etwa 12-jähriges mädchen sitzt, habe ich erstmal gar nicht wahrgenommen. wieso auch, hier gibt es zu viele von denen und sie schauen sowieso alle gleich aus. ich schau also seelenruhig aus dem fenster, als ich plötzlich merke, wie mich das mädel anstarrt. nicht nur kurz hinschauen, und dann wieder weg, sondern richtig anstarren. ich bin das ja einigermaßen gewöhnt inzwischen, aber normalerweise spiegelt neugier sich in den blicken der kinder wieder. aber nicht diesmal. böse geschaut hat sie jedoch auch nicht wirklich. ich konnte also nicht wirklich etwas aus dem starren ausmachen, und daher wurde mir die ganze situation ein wenig unangenehm. aber wegbewegen konnte ich mich auch nicht, und es würde noch mindestens zehn minuten dauern, bis ich zu hause war. also versuche ich, das mädel zu ignorieren und hoffte, dass sie bald aussteigt. tut sie aber natürlich nicht. statt dessen starrt sie mich weiter an, aus einer entfernung von etwa 50 zentimetern. plötzlich greift sie in ihre tasche, und zieht etwas raus. es ist klein, semmelblond und haarig. ein stofftier, oder ein schlüsselanhänger, denke ich, und dreh mich wieder weg.
und kaum drei sekunden später, streckt sie mir das ding entgegen, etwa zehn zentimeter von meinem gesicht entfernt. und es bewegt sich. hat die kleine doch tatsächlich ihren hamster in der tasche gehabt. im bus!? aber was soll ich damit, denke ich. ihn essen, oder was? ich versuche mal, so weit wie möglich zurückzuweichen, lächle das mädchen dann etwas gequält an und stammel auf chinesisch: hm, sehr süß, danke. kaum hab ich das gesagt, ist der spuk auch schon vorbei, der hamster wieder in der tasche und die augen des mädchen auf die forbeiflitzenden autos geheftet. ich wundere mich ja schon lange nicht mehr über all die seltsamen dinge hier, aber das war ja wohl wirklich nicht mehr normal. jedoch schien keiner der anderen fahrgäste dieses spektakel auch nur in irgendeiner weise seltsam zu finden, und da das mädel keine anstalten machte, den hamster nochmal aus der tasche zu ziehen, widmete auch ich mich wieder meinen gedanken. aber komisch sind sie schon, die taiwanesen.
3.4.2008 bei 21:56
hallo labertäschchen,
ich lach mich immer halbtot, wenn ich wieder eine neue busgeschichte lese. wird dir irgendwie abgehen, wenn du wieder in good old vienna bist…na ja, vielleicht versteck ich dann mal einen hamster in der handtasche…cooles neues layout
kuss
mom
8.4.2008 bei 23:11
variante b) gefällt mir

und die geschichte is echt krank.. der arme hamster. (und arme metti, natürlich - starrende mädchen sind seltsam;)
hoff dir gehts gut da drüben.. hab ich dir schon erzählt dass die isa und ich im sommer nach shaoxing gehn für 4 wochen? (und eine woche exkursion shanghai und hongkong) freu mich schon voll
bussilein
hoff dir geht gut