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19.6.2008 von marieta.
schon vor jahren haben wir sind helden gesungen: “kannst du mein monster halten? kannst du?” und lange haben wir gerätselt, um was für eine art von monster es sich in besagtem lied wohl handeln könnte. ich darf hier nun stolz verkünden, ich bin der sache gründlich auf den grund gegangen. es kann sich ohne zweifel um nichts anderes als das taiwanesische verkehrsmonster halten. wie der name schon sagt ist das taiwanesische verkehrsmonster in taiwan beheimatet, und dort hauptsächlich im großstadtdschungel zu finden. es ist eigentlich gar nicht so einfach ihm zu entkommen. man braucht nur einen fuß vor die türe zu setzen und stößt schon auf ein verkehrsmonster. worüber rede ich also? fußgänger. autofahrer. mopedfahrer. busfahrer. radfahrer. taxifahrer. kinderwagenschieber. und so weiter und so fort.
es ist wirklich total interessant, wie sich der normale, schüchterne, eher höflich zuvorkommende taiwanese ganz plötzlich in ein monster verwandelt, sobald er auf die straße hinaustritt. dabei gibt es zwei arten von monstern: schleich-und-im-weg-steh monster und ich-bin-motorisiert-also-hab-ich-auch-am-zebrastreifen-vorrang monster. fußgänger und kinderwagenschieber, besonders aber sonnen bzw. regenschirmtrager gehören erster monsterart an. dass die leute hier auf der straße unheimlich, aber wirklich unheimlich langsam unterwegs sind, habe ich ja, glaube ich, schon einige male erwähnt. die schleichen wirklich dahin. jede altersgruppe. als westler mit normalem tempo hat man da wirklich ein problem, und oft bleibt einem nicht viel anderes übrig, als auf die straße auszuweichen, wo man dann gleich von bussen, autos und mopeds attackiert wird. denn ausweichen auf dem geisteig (wenn dieser überhaupt vorhanden) ist sehr schwierig bis unmöglich da a) mopeds generell dort abgestellt werden, b) die schleicher vor einem mit sicherheit mindestens zwei fette taschen in jeder hand haben oder c) es ein schleicher pärchen ist, das den ganzen weg verstellt. und sollte sich dann doch einmal die chance zur umschiffung des hindernisses ergeben, wird ganz schnell der sechste sinn der schleicher aktiv und sie bewegen sich mit zielstrebiger sicherheit in genau die richtung, in die man gerade ausweichen musste. das schlimmst für den mensch mit schnellem schritt ist aber wahrscheinlich das plötzlich stehenbleiben mitten am gehsteig oder zebrastreifen. ohne jegliche vorwarnung bleibt das schleichmonster stehen. was danach passiert kann sich jeder vorstellen: entweder ein leichter zusammenstoß, der einen komplett verwirrten taiwanesen zurücklässt (weil dieser nicht begreift dass es irgendwo auch leute gibt, die schneller gehen als eine schnecke mit krücken) und einen meist leicht verärgerten westler. möglichkeit zwei sieht eigentlich nicht viel anders aus, nur dass der zusammenstoß dank eines gekonnten ausweichschrittes des westlers verhindert werden konnte. der taiwanese ist aber immer noch verwirrt und der westler immer noch verärgert. ich bin nur froh, dass ich einige zeit lange gefochten habe, da lernt man, das gleichgewicht auch in stresssituationen zu halten.
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19.4.2008 von marieta.
Warum Bier?
Das frage ich mich seit einigen Tagen.
Warum Bier?
Vielleicht sollte ich die Situation etwas näher erläutern. Schon beim Aussteigen aus dem Taxi, war mir klar, was sich in meiner Straße während der nächsten sechs Wochen abspielen würde. Es war nämlich jemand verstorben. Als ich diese Zeremonie zum ersten Mal miterleben durfte, fand ich sie noch interessant. Allerdings befand ich mich in diesem Fall auf dem Balkon einer Wohnung, die nicht meine war, und die mitternächtlichen buddhistischen Gesänge und Trommelschläge hatten etwas Mystisches und Fremdes an sich. Jetzt befindet sich die Trauerstätte direkt neben meinem Apartment, was generelle Lärmbelästigung und einen gesperrten Gehsteig für mindestens einen Monat bedeutet. Wieso der Gehsteig unbenutzbar ist? Bei einem Todesfall im Westen sind Blumen und Kränze mit Schleifen das übliche Zeichen der Trauer und die Dinge, mit denen man dem Verstorbenen den letzten Respekt erweist und den Hinterbliebenen seine Trauer und sein Beileid ausdrückt. Hier in Taiwan sind es Girlanden aus Papierblumen und den schrillsten Neonfarben und Pappschilder mit Sinnsprüchen. Beides wird mit Vorliebe an gut zwei Meter hohen Pyramiden aus Bierdosen angebracht. Variabel können es auch Coca Cola oder andere Softdrinks sein, aber Bierdosen sind eindeutig die beliebtere Option. Wobei wir wieder bei meiner anfänglich gestellten Frage wären: Warum Bier? Und warum gleich 50 Dosen oder sogar mehr? Aus diesen Fragen ergeben sich auch weitere Rätsel, wie zum Beispiel: Ist das Bier für die Hinterbliebenen oder den Verstorbenen?
Es gibt also zwei Möglichkeiten:
a) das Bier ist für die Hinterbliebenen, und die Trauergemeinde versucht den Verlust für sie erträglicher zu machen, indem sie so viel Bier schenken, dass die Hinterbliebenen sich für drei Monate ohne Probleme jeden Tag schon früh morgens beginnend ins Koma saufen können.
b) Das Bier ist für den Verstorbenen, und soll ihm bei der Reise ins Jenseits beziehungsweise ins nächste Leben mitgegeben werden. Warum er dabei unbedingt Bier braucht ist aber relativ unverständlich, es gibt meiner Meinung weitaus bessere und edlere Tröpfchen. Andererseits ist Bier das einzige alkoholische Getränk, das in Dosen erhältlich ist, und die lassen sich aber auch so schön stapeln. (Ja, es gibt Prosecco in Dosen, dessen bin ich mir bewusst, aber anscheinend ist Paris Hilton mit ihrer Werbung dafür noch nicht bis nach Taiwan durchgedrungen.)
Mir persönlich gefällt Variante a ja besser, aber wenn man sich die restliche Trauerkultur in Taiwan etwas näher ansieht, ist Möglichkeit b wohl wahrscheinlicher. Denn wie mir kürzlich ein Mitstudent berichtete, wird den Verstorbenen alles Mögliche mitgegeben. Jetzt denkt man sich: das ist doch aber nichts neues, wir kennen das doch bereits von den alten Ägyptern. Da hatten die Archäologen ja immer gleich zwei auf einen Streich: einen uralten, konservierten toten Menschen und jede Menge Bling Bling. Toll, nicht? Und auch China wäre nicht China, ohne die enorme Menge an Tonsoldaten, die den ersten Kaiser Chinas nach seinem Tod bewachen sollen (für weitere Einzelheiten verweise ich auf meine FBA). Kann es also sein, dass meine Nachkommen in vielen, vielen Jahren einen Bericht über die Totenschätze meines derzeitigen Nachbarn im Fernsehen verfolgen? Und was wären das für Dinge? Jede Menge Aluminiumdosen, das steht soweit mal fest. Und ein Flatscreenfernsehgerät, wie mir ein Mitstudent vorher erklärt hat. Oder einen Computer, einen DVD Player, ein Radio…schade nur, dass all das Bloß Nachbildungen aus Pappe sind. Und jetzt bitte nicht lachen, es gibt eine eigens darauf spezialisierte Industrie dafür in diesem Land. Geschäfte, die einzig und allein Pappwaschmaschinen und dergleichen verkaufen. Seltsam? Ganz klar, aber eine geniale Geschäftsidee, und umweltfreundlich noch dazu! Vielleicht sollte die katholische Kirche, anstatt Sonntags den Klingelbeutel während der Messe durchgehen zu lassen, mal in Erwägung ziehen, so etwas in die Trauerfeiern mit einzubauen. „…und wer dem Verstorbenem noch etwas aus dem weltlichen Leben für seine Reise ins Jenseits mitgeben möchte, der kann kleine Nachbildungen von Elektrogeräten und anderen Annehmlichkeiten jetzt jederzeit im Pfarrcafé erwerben, natürlich aus recycelten Bibeln hergestellt. Amen.“
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2.4.2008 von marieta.
ja, ich weiß, und es tut mir leid. was? na dass ich für einige wochen fast komplett von der bildfläche verschwunden war. die nachrichten in meinem posteingang, welche über meine abwesenheit klagen, mehren sich fast täglich. ganz nach dem prinzip: man merkt erst, wie sehr man an etwas gewöhnt ist, wenn man es nicht mehr hat. also komme ich den bitten nun doch endlich nach, möchte an diesem punkt jedoch auch selber eine äußern: ich weiß, ihr lest meine blog und ich gehe davon aus, dass ihr es euch dadurch so vorkommt, als ob ihr in kontakt mit mir wärt. und dazu ist der blog ja auch da, nur das problem ist, dass dieses kontaktgefühl nur in eine richtung wirklich wirkt. denn ich weiß ja nicht, wer da jetzt gerade vor dem computer sitzt und statt zu lernen oder zu putzen (oder beides) meine einträge liest. was ich damit sagen will, ist folgendes: ich würde mich ab und an sehr über ein kleines lebenszeichen freuen. keine lange mail, wirklich nicht, nur ein einfaches “hallo, ich hab gerade deinen blog gelesen und …”. bei “…” kann man beliebig einfügen, was einem gerade einfällt. hier ein paar anregungen:
variante a) …und find das echt urblöd, was du da schreibst. (hierbei wäre eine begründung doch sehr erwünscht, also nichts für leute mit wenig zeit.)
variante b) …und bin total überwältigt von deinem talent. hast du schonmal daran gedacht, ein buch zu schreiben? (vielleicht geeignet für leute, die sich entweder lange nicht mehr gemeldet haben oder ein besonders tolles mitbringsel aus taiwan wollen.)
variante c) …und denke, du solltest die welt nicht länger mit deinen sermonen belasten. keiner kann labertaschen leiden. (wobei meine reaktion darauf wohl folgende wäre: danke, da stimme ich dir zu. also halt die klappe und hör auf, meinen blog zu lesen.)
und noch viel mehr. ihr seht also, es ist gar nicht schwer, dauert vielleicht zwei minuten und verschafft mir einen tag hellter freude, an dem ich die vöglein trotz des strömenden regens singen höre und mich es dann mitten am campus überkommt und ich ein freudenlied anstimme. vielleicht nicht ganz zur freude aller anderen studenten, aber damit müssen sie eben leben.
so, und jetzt widme ich mich wieder dem wirklichen sinn dieses blogs: weitere geschichten aus meinem leben hier in taiwan. aber in den letzten wochen haben sich so viele angesammelt, daher wähle ich wieder eine aus. aber welche? ach, die ist gut, eine weitere busgeschichte:
ich steige also eines nachmittags, voll bepackt mit sackerln und anderem zeug aus dem supermarkt in den sowieso schon überfüllten bus ein. und ganz so, wie ich es von den taiwanesen gelernt habe, dränge ich mich erstmal durch den gesamten bus, bis in die hinteren reihen und ramme dabei so viele leute wie möglich. anfangs fand ich dieses spiel noch erschreckend barbarisch, aber nach einiger zeit adoptiert man einfach bestimmte verhaltensweise, die zwar nicht zwingend zum überleben, aber sicherlich zu einem besseren leben beitragen. mehr dazu aber ein andermal. ich komme also irgendwo zwischen lauter sitzenden menschen zum stehen, stelle meine sackerln ab und schaue aus dem fenster. was soll ich auch sonst machen. dass direkt vor mir ein etwa 12-jähriges mädchen sitzt, habe ich erstmal gar nicht wahrgenommen. wieso auch, hier gibt es zu viele von denen und sie schauen sowieso alle gleich aus. ich schau also seelenruhig aus dem fenster, als ich plötzlich merke, wie mich das mädel anstarrt. nicht nur kurz hinschauen, und dann wieder weg, sondern richtig anstarren. ich bin das ja einigermaßen gewöhnt inzwischen, aber normalerweise spiegelt neugier sich in den blicken der kinder wieder. aber nicht diesmal. böse geschaut hat sie jedoch auch nicht wirklich. ich konnte also nicht wirklich etwas aus dem starren ausmachen, und daher wurde mir die ganze situation ein wenig unangenehm. aber wegbewegen konnte ich mich auch nicht, und es würde noch mindestens zehn minuten dauern, bis ich zu hause war. also versuche ich, das mädel zu ignorieren und hoffte, dass sie bald aussteigt. tut sie aber natürlich nicht. statt dessen starrt sie mich weiter an, aus einer entfernung von etwa 50 zentimetern. plötzlich greift sie in ihre tasche, und zieht etwas raus. es ist klein, semmelblond und haarig. ein stofftier, oder ein schlüsselanhänger, denke ich, und dreh mich wieder weg.
und kaum drei sekunden später, streckt sie mir das ding entgegen, etwa zehn zentimeter von meinem gesicht entfernt. und es bewegt sich. hat die kleine doch tatsächlich ihren hamster in der tasche gehabt. im bus!? aber was soll ich damit, denke ich. ihn essen, oder was? ich versuche mal, so weit wie möglich zurückzuweichen, lächle das mädchen dann etwas gequält an und stammel auf chinesisch: hm, sehr süß, danke. kaum hab ich das gesagt, ist der spuk auch schon vorbei, der hamster wieder in der tasche und die augen des mädchen auf die forbeiflitzenden autos geheftet. ich wundere mich ja schon lange nicht mehr über all die seltsamen dinge hier, aber das war ja wohl wirklich nicht mehr normal. jedoch schien keiner der anderen fahrgäste dieses spektakel auch nur in irgendeiner weise seltsam zu finden, und da das mädel keine anstalten machte, den hamster nochmal aus der tasche zu ziehen, widmete auch ich mich wieder meinen gedanken. aber komisch sind sie schon, die taiwanesen.
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31.1.2008 von marieta.
es ist wirklich nicht auszuhalten. seit wochen regnet es jetzt schon ohne unterbrechung. und kalt ist es auch. der regenschirm geht mir schon sowas von auf die nerven, wirklich, und meine regenbogen gummistiefel sind das einzig bunte in dem grauen nass da draußen. der einzige silberstreif am himmel ist, dass ich morgen abends bereits auf dem weg in ein land bin, in dem es so gut wie nie regnet. australien, ein ganzer monat weg von der nassen insel taiwan…aber gut, darum gehts ja jetzt eigentlich nicht, sondern um die vergangenen wochen…was war da los? eine ganze menge, muss ich sagen…
inkompetenz gepaart mit angst: was einem ausländer wiederfährt wenn er den mund aufmacht
meine mutter hat ja eine reise nach vietnam gemacht und der flug war von der reiseagentur mit zwischenstopp in taipei geplant. für die reisegruppe war eine kurze tour durch taipei geplant, beginnend mit einem abendessen in einem restaurant im zweithöchsten gebäude taiwans. ich hatte mir für später noch einen kinobesuch mit freunden ausgemacht, wollte aber trotzdem noch zu mindest teilweise mit meiner mama zu abend essen. aber wie das so ist, bei reisegruppenessen, zaht sich das alles immer wie irre. und es wurde später und später…und da dachte ich mir eben: bitte ich die nette kellnerin halt, dass sie mir mein essen etwas früher bringt. auf chinesisch natürlich. ich schau sie also an, und sage in meinem schönsten chinesisch: entschuldigen sie bitte, aber könnten sie mir mein essen etwas schneller bringen, ich muss dann nämlich gehen.
sie schaut mich vollkommen entgeistert an, beginnt dann hysterisch zu lachen und flüchtet, nur um den reiseleiter zwei minuten später an unseren tisch zu zerren und ihm zu sagen, dass er doch bitte übersetzen soll, was ich will, denn sie spricht nur chinesisch.
er daraufhin: ähm, das mädchen spricht fließend chinesisch. das kann sie selber.
erstaunen in den augen der kellnerin. diese kuh hat doch tatsächlich aus lauter angst, weil ich sie angesprochen habe, nicht mal mitbekommen, dass ich eh chinesisch geredet habe. das ist das problem der taiwanesen hier mit ausländern: kaum redet sie einer an, zucken sie vollkommen aus, weil sie denken, sie müssen jetzt englisch reden.
fall nummer 2 ereignete sich nur eine knappe stunde nach diesem erlebnis der dritten art. nämlich im kino. der kartenverkäufer war DERARTIG inkompetent und überfordert mit uns fünf ausländern, es war nicht zu packen. zuerst versteht er nicht, in welchen film wir wollen. dann frage ich, was denn ein ticket kostet, er sagt mir den gesamtpreis. ich frage nochmal, er sagt mir nochmal den gesamtpreis. gut, zahl ma halt zusammen. dann kommt er drauf, dass er nicht 5 tickets eingetippt hat, sondern nur 4, er muss uns also noch eines ausstellen. der sitz war dann am ganz anderen ende des saals, und weil wir eh schon spät waren und der film gerade erst angelaufen war, durften ich zum ersten mal seit meiner kindheit wieder mal in der 5. reihe sitzen. war eine interessante erfahrung.
der film war es aber allemal wert, kann ich nur empfehlen: Sweeney Todd, the Demon Barber of Fleet Street.
der fluch der dünnen wände…
dünne wände sind schon sch***, muss ich jetzt mal sagen. vorallem, wenn die mitbewohnerin einen neuen freund hat, und ihn geschlagene zwei wochen jeden abend mitbringt. jeden abend. echt, es war nicht mehr lustig. ich war zwei wochen lang vollkommen unausgeruht, meine ohren haben von der ohrenstöpseln wehgetan und nach hause wollte ich noch weniger als sonst, denn man konnte dem pärchen so gut wie gar nicht entrinnen.
meine freunde hatten alle möglichen ideen:
“wenn sie wieder mal miteinander schlafen, ruf einfach mal die polizei an und sag, du weißt nicht, was los ist, aber da kommen so komische geräusche aus dem nachbarzimmer, und du hast angst um deine mitbewohnerin.”
das hätte ich dann auch wieder nicht gemacht. aber ich war wirklich schon fast so weit, was zu sagen, wären mir die fiji’s nicht zuvor gekommen…nach einer nacht ohne schlaf (dank meiner mitbewohnerin und der dünnen wände) bin ich nach dem mittagessen heimgegangen um einfach mal ein paar stunden durchzuschlafen. in meine decke gewickelt lieg ich also in meinem bett, als ich im wohnzimmer laute stimmen höre. fiji’s lassen die ungarin wissen, dass sie nicht jede nacht ihren freund mitbringen kann, weil sie nur für eine person miete bezahlt und alle anderen in der wohnung außerdem damit stört. das resultat: die ungarin tut das, was ich eigentlich auch gern tun würde - ausziehen.
aber: sie hat sich bei mir entschuldigt und mir sogar schokolade geschenkt. ich wollte gar nicht, dass sie auszieht, sie ist ja ein liebes mädel. darum tut’s mir schon leid. aber ich denk, sie hat es in der neuen wohnung sicherlich netter als hier…
househunting und danshui
andere erwähnenswerte dinge sind, dass ich househunting war. das war eigentlich sehr interessant. claudia sucht ja eine neue wohnung, daher sind wir um die uni herum einfach mal umhergelaufen und haben geschaut, ob irgendwo zimmer vermietet werden. das geht hier nämlich einfach so, man rennt von haus zu haus und schaut, ob irgendwo was angeschrieben steht. ist ganz praktisch, man kann sich so die meisten wohnungen gleich ansehen und spart sich außerdem das geld für den makler.
abgsehen von einer skurrilen russischen vermieterin mit knallroten langen haaren, die glatt hätte als hexe in hänsel und gretel durchgehen können, haben wir einige sehr schöne apartments gesehen. aber leider auch sehr teuer…na gut, ich zieh ja eh nicht aus, aber um es mit den worten von sportfreunde stiller zu sagen: man wird doch wohl noch träumen dürfen…
außerdem hat uns unsere lehrerin letztes wochenende nach danshui, einem vorort von taipei, eingeladen um ihre kinder und ihren mann kennenzulernen. der jüngste sohn ist echt der herzigste. noch keine fünf, aber ein ganz niedlicher. wirklich. aber ein sauwetter hatte es, das ist ja nicht ohne. geregnet ohne ende. womit wir wieder am anfang wären: der regen. vielleicht hat rihanna, als sie diesen nervigen song geschrieben hat, einige wochen auf taiwan verbracht und das wetter hier nicht anders verarbeiten können. wirklich. und ich muss da heute nochmal raus! *wähääääää*
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13.1.2008 von marieta.
…hat sich bis hierher noch nicht wirklich durchgesprochen. wieso ich das weiß? mein leben spielt sich ja größtenteils hier bei starbucks ab. ja, ich gebs zu, ich bin sowohl dem konsumzwang unserer kapitalistisch-orientierten gesellschaft zum opfer gefallen, als auch auf die gemütliche „komm setz dich hin, trink einen kaffee und bleib so lange du willst ohne noch was anderes zu konsumieren“ atmosphäre die hier bei starbucks herrscht. jetzt trink ich eben jeden nachmittag meine signature hot chocolate (die wirklich ausgezeichnet ist) und lerne bei starbucks, so wie 99% prozent der anderen starbucksbesucher hier. während meiner lernsessions bei starbucks entgehen mir, obwohl ich wirklich versuche, mich aufs lernen zu konzentrieren, nicht die manchmal etwas eigenartigen verhaltensweisen der anderen gäste. da sind zum beispiel diejenigen, die mit ihren kaffees kommen, sich hinsetzen, ihre bücher auspacken, nur um dann mit dem kopf auf den am tisch verschränkten händen mal ein ordentliches stündchen zu ratzen. die schlafen einfach. interessant wird es, wenn sich die schläfer nicht allein, sondern zu zweit an einem tisch befinden. man sieht also, wie sich zwei leute gemeinsam an einen tisch setzen, und denkt sich: die tratschen jetzt sicher ganz ausgelassen, oder helfen sich gegenseitig bei den hausaufgaben. aber nein. keine zwei minuten nach ihrem ankommen liegen beide halb am tisch und pennen. das nenn ich ein ausgeprägtes kommunikations verhalten. hat das bitte in europa/österreich schon einmal jemand gesehen? das beweisfoto kann man oben betrachten.
überhaupt scheinen die taiwanesen mit der verbalen kommunikation in starbucks ein problem zu haben, denn unterhaltung die über flüsterton hinausgehen, werden gleich mal mit bösen blicken gestraft. wirklich, kein scherz, in einem „kaffeehaus“! daher sind wir austauschstudenten also eher ungern gesehene gäste, denn wir halten uns da also mal gar nicht dran. und wer kann einem das schon verübeln? mexikaner, briten, australier, österreicher…wir haben nun mal, wie ma bei uns zaus so schön sagt, a gaudi. mit lauten lachern und geschnatter. und obwohl ich ja auch, wie oben bereits erwähnt, wie die meisten anderen starbucksbesucher, dort bin um zu lernen, ist starbucks ja trotzdem immer noch ein öffentlicher ort und für den verbalen austausch gedacht. oder irr ich mich? ich mein, die besten gschichteln werd‘n einfach im kaffeehaus erzählt. oder beim heurigen. aber sowas hier zu finden, ist wahrscheinlich komplett unmöglich. und wer echte lernatmosphäre will, soll doch bitte in die bibliothek gehen.
wer treibt sich sonst noch bei starbucks rum, außer insomniacs, schreihälsen und strebern? wahrsager. oder sowas ähnliches zu mindest. letztens hab ich mich mit meiner taiwanesischen freundin katharina dort getroffen um ein pläuschchen zu halten und zu dinieren. da saß doch am nebentisch echt eine frau, die sich von so einer alten tante die zulunft vorhersagen hat lassen. obwohl - nein - katharina wurde korrigiert, als sie mir erklären wollte, was die tante macht: sie rechnet irgendwelche daten zusammen, fragt mich jetzt echt nicht was sie da dann rausliest. auf alle fälle war eigentlich nicht die wahrsagerin der psycho, sondern eher die frau, der wahrgesagt wurde. die hat sich ständig in meine und katharinas konversation eingemischt. andauernd. ob wir englisch reden. nein, deutsch. und ob ich amerikanerin bin. nein, österreicherin. und ob ich mir nicht auch die zahlen zusammenrechnen lassen will (das hört sich schon so komisch an). na danke, wirklich nicht. auch wenns nix kostet, dass mir die tante erzählt, ich soll möglichst schnell heiraten und kinder kriegen, oder zehn kilo abnehmen oder sowas, das brauch ich echt nicht. dafür hab ich ja meine mitbewohner aus fiji und die alte jeans im kasten, die nicht zugeht. so schauts aus.
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